Bilanz

1.2.8. Geleistete Anzahlungen, Anlagen im Bau (Kto. 09)

Grundsätzliches

Die Bilanzposition 1.2.8. umfasst zwei Sachverhalte. Bei geleisteten Anzahlungen auf Sachanlagen handelt es sich um Vorleistungen der Kommune auf im Übrigen noch schwebende Geschäfte. Da dem Mittelabfluss Ansprüche auf Lieferung / Herstellung von einem oder mehreren Vermögensgegenständen gegenübersteht, ist die Aktivierung im Anlagevermögen wirtschaftlich begründet. Voraussetzung für eine Aktivierung ist somit, dass tatsächlich Anzahlungen bis zum Bilanzstichtag geleistet wurden. Eine vertragliche Zusage eine Anzahlung leisten zu wollen ist mithin nicht bilanzierungsfähig. Auch langfristige Mietvorauszahlungen und die ihnen gleichzusetzenden verlorenen Baukostenzuschüsse gehören nicht zu den Anzahlungen (vgl. Dusemond/Heusinger/Knop HdR § 266 HGB Rz 36).

Bei Anlagen im Bau sind die Ausgaben zu aktivieren, die für bis zum 31.12. noch nicht fertiggestellte Investitionen in Sachanlagen angefallen sind. Hierbei sind neben den Fremd- auch Eigenleistungen zu berücksichtigen.

Die Zusammenfassung von Anzahlungen auf Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Anlagen im Bau in einer Doppelposition ist zweckmäßig, da nicht immer eindeutig zu erkennen ist, ob eine Lieferung bereits vollzogen wurde, also in den wirtschaftlichen Verfügungsbereich der Kommune übergegangen und somit auch von ihr zu bilanzieren ist.

Bewegungen im Anlagespiegel beschränken sich in der Regel auf Zugänge und Umbuchungen nach Abschluss der Investitionsmaßnahme. Abschreibungen sind in dieser Position nur außerplanmäßig und in Ausnahmefällen anzutreffen, z.B. wenn eine Gegenleistung nicht mehr erwartet werden kann. Außerplanmäßige Abschreibungen sind auch vorzunehmen, wenn sich herausstellt, dass die aktivierten Beträge für Anlagen im Bau überhöht oder nicht aktivierbar waren (§ 253 Abs. 3 HGB n. F.). Abgänge sind beispielsweise bei einem Verzicht auf Rückforderung denkbar.

Bezüglich der Zugänge sind zwei Methoden denkbar: Bei der Nettomethode werden als Zugang nur Beträge für Investitionen gezeigt, die am Jahresende noch nicht abgeschlossen sind. Die Beträge, die für Investitionen aufgewandt wurden, die während des Haushaltsjahres beendet werden konnten, werden sofort bei der betroffenen endgültigen Bilanzposition als Zugang gezeigt. Die Bruttomethode weist alle Beträge aus, die für Anzahlungen und Anlagen im Bau während des Haushaltsjahres geleistet worden sind, ohne zu beachten, ob die Investitionen während des Geschäftsjahres vollendet werden konnten oder nicht. Da die letztgenannte Methode die im Anlagespiegel aufgezeigten Bewegungen unnötig aufbläht, ist die Nettomethode vorzuziehen.

Wenn eine Investition abgeschlossen wurde, und die Anzahlungen bzw. Anlagen im Bau einer endgültigen Anlageposition zugeordnet werden können, werden diese umgebucht. Erst ab diesem Zeitpunkt unterliegt der Vermögensgegenstand den Abschreibungen nach jeweiliger Nutzungsdauer.

Es sind nur die tatsächlich gezahlten Beträge anzusetzen.

FAQ

Rechtliches-Informationen

GemHVO-Doppik § 48 (juris)

VV-Kontenrahmen (Anlage 1, Seite 2) (juris)