Ergebnisrechnung

2.19 Verwendung AfA aus Sielabgaben als Gesamtdeckungsmittel

Die Gemeinde kalkuliert AfA in die Gebühren. Die Gesamteinnahmen werden allgemeine Deckungsmittel. Nicht investierte Mittel werden in der Bilanz nicht ausgewiesen.

Problem:

Zukünftige Inv.-Finanzierung, Generationen Gerechtigkeit, Passivierung soll nicht möglich sein.

Abschreibungen sind Aufwendungen ohne Auszahlungen. Dies führt betriebswirtschaftlich bei (Preis- oder Gebühren-)Kalkulationen zu folgendem Effekt:

a) Finanzierung über Eigenkapital

Über den Zeitraum der Nutzungsdauer fließen über die Gebühren auch die einkalkulierten Abschreibungsgegenwerte zurück. Da diesen zunächst keine Auszahlungen gegenüberstehen, entsteht ein Liquiditätsüberschuss. Dieser erhöht den Zahlungsmittelbestand. Bei einer Investition von 100 Geldeinheiten (GE) und einer Nutzungsdauer von 10 Jahren fließen so 100 GE (10 x 10) wieder zurück. Im 11. Jahr wäre eine Ersatzinvestition ohne Kreditaufnahme möglich (Inflationsbedingte Preiserhöhungen und technischen Fortschritt blenden wir aus Vereinfachungsgründen aus, da die Frage sich nicht auf die Gebührenkalkulation bezieht). Da dieser Vorgang aufwandsneutral verläuft, verhält sich die Gemeinde generationengerecht. Dem Vermögensverzehr (Ressourcenverbrauch) stehen gleichgroße Erträge gegenüber. Dem Abschmelzen z. B. des Sachanlagevermögens steht ein Zuwachs im Umlaufvermögen (Bankguthaben) in gleicher Höhe gegenüber.

Dieser Effekt tritt jedoch nur ein, wenn die Mittel zum Ersatzinvestitionszeitpunkt auch zur Verfügung stehen und nicht anderweitig verbraucht werden.Beim Umstieg auf die Doppik stellt sich auch die Frage, wie die Mittel der kameralen Abschreibungsrücklage ausgewiesen werden sollen? Ein Ausweis auf der Passivseite scheidet aus. Es bleibt der Gemeinde jedoch unbenommen, über den Anhang (§ 51 GemHVO-Doppik) die Bilanzposition Aktiva2.4 „Liquide Mittel“ näher zu beschreiben und hierbei die für die Reinvestition vorgesehenen Mittel gesondert auszuweisen.

b) Finanzierung über Fremdkapital

Über den Zeitraum der Nutzungsdauer fließen ebenfalls über die Gebühren auch die einkalkulierten Abschreibungsgegenwerte zurück. Diesen stehen jedoch Auszahlungen durch Tilgungen gegenüber. Stimmen Nutzungsdauer und Finanzierungsdauer überein (=fristenkongruente Finanzierung) , wäre im Sinne des o. a. Beispiels nach 11 Jahren eine kreditfinanzierte Reinvestition möglich, ohne dass sich die Eigenkapitalquote ändert (=generationengerecht). Ist die Finanzierungsdauer < Nutzungsdauer, ist die Gemeinde quasi in „Vorleistung“ getreten: Die restlichen Abschreibungsgegenwerte tilgen den „Vorschuss“ der Gemeinde. Ist die Finanzierungsdauer > Nutzungsdauer, ist der Nutzer in „Vorleistung“ getreten und die Gemeinde tilgt aus dem Liquiditätsüberschuss (Abschreibungsgegenwerte waren in der Vergangenheit größer als die Tilgungsausgaben).

Die Beispiele zeigen, dass die betriebswirtschaftlichen Finanzierungsvorgänge gänzlich in der Bilanz abgebildet werden können.

Hierzu bedarf es bei der Umstellung auf die Doppik einer sorgfältigen Aufarbeitung dieser Sachverhalte.

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Erstellt am 28.09.2012